Vornehme Mogelpackung

Die Deutsche Bank ködert ihre Kunden im Internet: Irreführend und peinlich ist der als ‚ganzheitliche Finanzanalyse‘ blumig umworbene FinanzCheck, der im Internet sensible Finanzdaten abfragt und innerhalb weniger Minuten konkrete Vorschläge präsentiert. Besser ist die Analyse nach DIN, erste deutsche Norm für Finanzdienstleistungen.

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Der Berater auf dem bankeigenen YouTube-Kanal erkundigt sich: Fällt es auch Ihnen schwer, Ihre Finanzsituation richtig einzuschätzen? Welche Ziele und Pläne haben Sie für die Zukunft? Wie steht es um Ihre Vorsorge? Sein Tipp: Mit dem Deutsche Bank FinanzCheck verschaffen Sie sich schnell und einfach einen Überblick über Ihre finanzielle Lage. 

Neben dem Imagevideo auf YouTube bietet die Deutsche Bank ihren FinanzCheck auch auf den eigenen Internetseiten an. Voraussetzung für Interessenten ist, zunächst persönliche Daten, finanzielle Ziele und Pläne bis hin zum Einkommen, Vermögen und Versicherungen sowie Maßnahmen zur privaten Altersvorsorge online einzugeben. Innerhalb weniger Minuten komme dann der ‚persönliche Finanzfahrplan‘ sowie drei Scoring-Werte, die den prozentualen Handlungsbedarf im Bereich der Vorsorge mit konkreten Maßnahmen aufzeigen. Die Vorschläge sollten Kunden dann mit einem persönlichen Berater in einer Filiale der Bank besprechen.

DIN-Standard?

Das Besondere der Analyse sei, dass der Check an einen DIN-Standard angelehnt ist. Das Kreditinstitut behauptet, der FinanzCheck berücksichtige damit wichtige Daten und objektive Standards, die als DIN-Standard (DIN SPEC 77222) definiert wurden. Erst auf den Internetseiten der Bank folgen schließlich Hinweise, dass der FinanzCheck für die Analyse nur Auszüge aus dem Regelwerk einer veralteten DIN SPEC nutzt und dass zudem aus Vereinfachungsgründen nur die Finanzthemen betrachtet werden, die als für Verbraucher wesentlich eingeordnet werden.

„Es ist mehr als fragwürdig, wenn sich die Deutsche Bank auf eine bereits völlig überarbeitete, alte DIN bezieht und nicht die Neuerungen der eigentlichen DIN-Norm berücksichtigt. Weiter spricht die Deutsche Bank in ihrem Werbevideo zwar zu Recht davon, dass der Finanzcheck an den DIN-Standard angelehnt ist. Die immensen Unterschiede wird aber kein normaler Verbraucher verstehen und sie werden auch nicht erklärt. Auch im Werbevideo wird nur zu Beginn ein kurzer sprachlicher Hinweis gegeben. Eine visuelle Verdeutlichung findet nicht statt“, erklärt der Dipl. Versicherungs-Betriebswirt sowie Finanzplanungsexperte Helge Kühl aus Neudorf. Zusammen mit Vertretern der Wissenschaft sowie allen zentralen Verbraucherverbänden und relevanten Marktteilnehmern erarbeitete der Experte die bereits etablierte DIN-Norm 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“.

Unechtes Schmuckwerk

„Anders als die DIN SPEC dient nur die aktuelle DIN-Norm dem Verbraucherschutz. Wer sich beispielsweise zu konkreten Versicherungsangeboten beraten lassen will, kann mit Hilfe des standardisierten Analyseprozesses der DIN 77230 einfacher erkennen, ob Berater oder Bank Risiko und Nutzen gut einschätzen können und ob über mögliche Risiken hinreichend informiert wird“, unterstreicht Kühl und ergänzt: „Nur die Analyse auf der Grundlage der DIN 77230 ist für mich eine wirklich saubere Basis, den tatsächlich notwendigen Bedarf an Finanzlösungen zu ermitteln. Die Bereiche Absicherung, Vorsorge und Vermögen werden konsequent miteinander verzahnt, um eine ganzheitliche Betrachtung der finanziellen Situation von Privathaushalten zu ermöglichen.“

Sich mit einer überholten und zudem nur teilweise angewendeten DIN-Norm zu schmücken und für den FinanzCheck gleichzeitig nur Auszüge aus dem Regelwerk zu nutzen, ist für den Finanzexperten Helge Kühl daher reichlich irreführend. Abgesehen vom begrifflichen Durcheinander sei der FinanzCheck der Deutschen Bank schon im Ansatz wenig überzeugend: „Noch viel fragwürdiger wird die Deutsche Bank Analyse, wenn existenzbedrohende Finanzthemen gar nicht auftauchen. So wird beispielsweise abgefragt, ob der Interessent Eigentümer von Immobilen ist, die wichtige Wohngebäudeversicherung taucht jedoch im Ergebnis gar nicht auf. Ebenso fehlen im FinanzCheck zahlreiche elementare Haftungsthemen, die ebenfalls existenzbedrohende Risiken absichern. Für eine Deutsche Bank ist das ein ziemlich peinlicher Aufritt. Wenn das schon Leistung aus Leidenschaft sein soll – naja“, ergänzt Kühl.

Sein Rat: Finger weg vom Deutsche Bank FinanzCheck und stattdessen eine komplette ganzheitliche Analyse nach der neuen DIN-Norm 77230 wählen. (Weiterlesen >Zertifizierter Check)


DIN-Norm 77230

Die Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte ist die erste deutsche Norm für Finanzdienstleistung. Sie beschreibt einen objektiven, reproduzierbaren und transparenten Analyseprozess, der eine ganzheitliche Betrachtung der finanziellen Situation von Privathaushalten ermöglicht. Zertifizierte Berater finden Anleger und Interessenten überall in Deutschland. Infos und Adressen gibt es beim Institut für Finanznorm www.defino.de.

Weitere Infos zu DIN-Normen unter www.din.de 

Finanzcheck auf Knopfdruck: Deutsche Bank FinanzCheck auf YouTube

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